Kunst und Handwerk der Adaption

Adaptionen, Bearbeitungen bereits vorhandener Stoffe, bilden einen zentralen Nerv der deutschen wie internationalen Film- und Fernsehbranche. Fiktionale Bestselleradaptionen wie die „Buddenbrooks“ oder „Harry Potter“ sind meist das erste, woran man beim Thema Adaption denkt – doch auch auf Fakten beruhende Filme wie „Requiem“ oder „Titanic“, Biopics wie „Hitchcock“ oder „Milk“ und Musical- oder Filmremakes wie „Les Miserables“ und „Departed“ gehören zum weiten Feld der Adaptionen. In Erzählton und künstlerischem Konzept können die realisierten Filme so verschieden sein wie die Comicadaptionen „Superman Returns“, „Sin City“ und „American Splendor“, können Genres verändert werden, kann die Vorlage parodiert oder Klassiker stark modernisiert werden.

In jedem Fall aber – auch wenn man ganz werkgetreu arbeiten will – beinhaltet die Adaption neben den Erfolgschancen für Produzenten auch ein Risiko: Die Kosten können durch den Erwerb der Originalrechte in Kombination mit den normalen Stoffentwicklungskosten sehr hoch liegen und auch einen passenden Autor mit eigener Vision vom bestehenden Stoff für die Drehbuchadaptionen zu finden ist nicht immer leicht. Für Autoren ist es unter diesem hohen Erwartungsdruck umso schwieriger, den für einen Transfer ins visuelle Medium so nötigen eigenen Zugang zu ihrem eigenen Blick auf die Vorlage zu finden und als Drehbuch umzusetzen.

Nach einer Einführung in Möglichkeiten und Besonderheiten von Adaptionen allgemein und einem kurzen Überblick über Stoffsuche und Adaptionsmarkt konzentriert sich das Seminar auf das Inhaltliche der Literaturadaption. Anhand konkreter Beispiele und praktischer Übungen wird gemeinsam das Spannungsfeld von Originalvorlage und filmischer Umsetzung ausgelotet.

Behandelt werden vorrangig folgende Herausforderungen im Prozess des Adaptierens: TRANSFER von literarischen Techniken sowie historischen, subkulturellen und lokalen bzw. nationalen Besonderheiten, VERGLEICH verschiedener Erzähltonalitäten und Schwerpunktlegungen in mehreren Verfilmungen der gleichen literarischen Vorlage sowie die BALANCE zwischen Umsetzung des Geistes der Originalvorlage einerseits und der Erschaffung eines eigenständigen filmischen Kunstwerks andererseits.