Roger Corman
Als in den späten 60er, frühen 70er Jahren neue Akteure die Bühne des „New Hollywood“ betraten, kamen diese fast ausnahmslos aus der alternativen Kaderschmiede des Roger Corman, der seine Filme jenseits des Establishments durchbrachte. Der gelernte Ingenieur hatte abseits des taumelnden Studiosystems eine eigene Filmfabrik aufgebaut, in der Schauspieler wie Jack Nicholson, Robert de Niro und Sylvester Stallone ihre ersten Rollen spielten, bevor sie bekannt wurden. Hier lernten auch die neuen Regie-Stars von Francis Ford Coppola bis Martin Scorcese, von George Lucas bis James Cameron ihr Handwerk – und zwar nicht nur das der Auflösung, Inszenierung und Improvisation, sondern ganz besonders auch, bei jedem Film und jeder Entscheidung stets Werbung, Vermarktung und Vertrieb im Blick zu haben. Den Vertrieb übernahm Corman nicht nur für viele seiner eigenen, sondern auch für europäische Produktionen – fünf davon konnten Oscars als „Bester ausländischer Film“ gewinnen. Und bei alledem ist Corman beileibe kein idealistischer Altruist, der selbstlose Kulturförderung betreibt, sondern hat mit seinen Ansätzen und Methoden stets gutes Geld verdient – nicht umsonst trägt seine Biographie den bezeichnenden Titel How I made a Hundred Movies in Hollywood and Never Lost a Dime (wobei die Zahl der Produktionen hemmungslos untertrieben ist – rund 400 sind es inzwischen).

In Cormans gut funktionierendem und sehr lukrativem Off-Hollywood-Studiosystem wurden in wenigen Wochen oder sogar Tagen kompakte Genrefilme mit Budgets teilweise unter $100.000 produziert, die sich flexibel den entstehenden Märkten anpaßten. Als Unternehmer war er dabei kompromißlos: Wenn der Regisseur mehr kostete, als er nutze, übernahm er diese Funktion einfach selbst – bei über 50 Low Budget-Filmen hat er so selbst Regie geführt. Geradezu legendär sind aber seine Einsätze als Kamerabühnenarbeiter oder Licht-LKW-Fahrer – wie schreibt er dazu selbst: „I was probably the only grip/driver/producer in town“. Heute ist Corman lebende Filmgeschichte – nicht nur ein gefeierter Produzent, Regisseur und Schauspieler (u.a. in „Der Pate 2“, „Das Schweigen der Lämmer“, „Philadephia“ und „Apollo 13“), sondern mit seinem Gespür für Chancen und Trends, seinem kaufmännischen Geschick und seiner zupackenden, ja hemdsärmeligen Art bis heute eine „motive force“ des Independent Filmmaking und eine Quelle der Inspiration mit Vorbild-Qualitäten. Corman zeigt: Erfolgreiches Kino ist immer eine gut austarierte Fusion aus Kunst und Geld. Wie gut ihm diese gelungen ist, unterstreichen inzwischen Retrospektiven der Cinémathèque Francaise, des National Film Theatre in London und im MoMA in New York.
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