Der Gute Ton

Film definiert sich durch Bilder – was die Gefahr birgt, daß der Ton am Filmset gelegentlich etwas stiefmütterlich behandelt wird. Schon der personelle Aufwand ist dabei ein gutes Indiz: Kamera, Licht und Grip sind oft mit zehn und mehr Personen am Set, während die Toncrew meist nur aus Meister und Angler besteht, bei besonders sparsamen Produktionen auch nur aus einer Person. Dabei verzeiht der Zuschauer eine schlechte Bildqualität durchaus, wenn ihn die Geschichte fesselt – während schlechter Ton dazu führt, daß er gar nicht erst an die Geschichte herankommt. Hier Aufklärungsarbeit zu leisten und Interessierten das nötige Wissen und erste Erfahrungen zu vermitteln, wie sie auch mit einfachen Mitteln eine professionelle Tonqualität erreichen, ist das Ziel dieses Wochenendes.

Das Seminar beginnt am Samstag mit einer Vielzahl von Beispielen aus bekannten und auch unbekannten Filmen, die die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Tönen, Bildern, Geschichten und Emotionen verdeutlichen. Dann geht es um eine Reihe konkreter Fragen aus der Praxis der Tonaufnahme am Set:
  • Wie sieht der Alltag des Tonteams (z.B. Meister und Angler) aus?
  • Welche Probleme können konkrete Drehorte, Wetter, Umweltlärm etc. aufwerfen und wie sehen passende Lösungen aus?
  • Welche Ausrüstung (Aufnahmegeräte, Mikrophone, Zubehör) gibt es? Wo liegen die künstlerischen und finanziellen Vor- und Nachteile der einzelnen Lösungen?
  • Wie liest man ein Drehbuch in Bezug auf den Ton?
  • Kommunikation mit Regie und Produktion, Motivbesichtigungen
  • Welchen Einfluß hat der O-Ton in das Endergebnis des fertigen Films? Welchen Stellenwert hat der O-Ton in Abhängigkeit vom konkreten Charakter des jeweiligen Films?

Einen weiteren Schwerpunkt bilden die verschiedenen Etappen der Herstellung der Tonspur eines Films:
  • O-Tonaufnahme
  • Bildschnitt
  • Sounddesign
  • O-Tonschnitt
  • Synchronaufnahmen (ADR)
  • Geräuschemacher (Foley)
  • Atmos
  • Effekte
  • Musikaufnahme
  • Mischung

Am zweiten Tag des Seminars geht es dann in die Praxis: hier werden die Teilnehmer lernen, mit Aufnahmegeräten, Angel und drahtlosen Mikrophonen umzugehen. Verschiedene Drehsituationen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden werden nachgestellt und praktisch gelöst, die dabei entstandenen Aufnahmen dann eindigitalisiert und analysiert. Als Kamera genügt dabei – ganz in Umkehrung des anfangs genannten "normalerweise" üblichen Aufwands – ein iPhone.
Marc Parisotto
Marc Parisotto studierte Elektroakustische Musik am Konservatorium in Marseille und tourte als Soundoperator mit dem Theaterstück "The Knee Plays" von Robert Wilson und David Byrne durch Europa. Seit 1986 arbeitet er als Filmtonmeister mit Regisseuren wie Michael Haneke, Hans-Christian Schmidt, Heiner Stadler, Benjamin Heisenberg, Rainer Kaufmann und Philip Gröning sowie als Sounddesigner für Nicolas Humbert. 2006 wurde er für "Requiem" mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet, 2010 für "Der Räuber" mit dem Österreichischen Filmpreis.
www.imdb.de

21. und 22. Januar 2017

Dozent(en): Marc Parisotto
Teilnehmerbeitrag: 240,00 € (Bei Zahlungseingang bis zum 06.01.2017 ermäßigt auf 190,00 €)
Es sind noch reichlich Plätze vorhanden (>5).